Unbewusste Vorurteile können dem Unternehmenserfolg schaden und sorgen außerdem für eine vergiftete Unternehmenskultur.
Machen Sie Schluss mit den Schubladen im Kopf!
Wie Sie Ihrem Schubladendenken den Riegel vorschieben
Was für gewöhnlich in unserem Kopf passiert, ist eigentlich ganz natürlich und basiert auf den allgemeinen Prinzipien der Evolutionstheorie:
Prasselt Neues auf uns ein, versuchen wir die Reize zu ordnen und teilen das Wahrgenommene automatisch in Schubladen ein, um in den jeweiligen Situationen angemessen reagieren zu können.
Dabei ist „angemessen“ leider relativ.
Denn oftmals läuft dieser Prozess im Widerspruch zu unseren Werten und Überzeugungen ab. Eventuell vertraut man beispielweise Menschen aus dem eigenen Kulturkreis eher, da man mit diesen bislang mehr Erfahrungen gesammelt hat als mit anderen. Allerdings sind solche kognitiven Verzerrungen (Unconscious Bias) nicht immer förderlich.
Mini-Me- und Halo-Effekt, Stereotype & Performance Bias oder Kontrast-Effekt - ist eine Schublade einmal existent, greifen wir nur zu gerne wieder darauf zurück, sodass sich das Vorurteil verstärkt. Hat jemand Ähnlichkeit mit uns (Mini-Me-Effekt), sticht uns ein auffälliges Merkmal besonders ins Auge, ob positiv oder negativ (Halo-Effekt), oder überschattet der erste Eindruck alle weiteren Aspekte einer Person (Primacy-Effekt), greift dieser Mechanismus scheinbar automatisch und lässt uns bisweilen schlechte Entscheidungen treffen. Denn einige Formen dieser kognitiven Verzerrung könnten beispielsweise dazu führen, dass wir uns in Geschlechterkämpfen verlieren oder uns zu Vergleichen hinreißen lassen, die an den Haaren herbeigezogen sind. So wird beim sogenannten Kontrast-Effekt eine Person mit dem Vorgänger verglichen, um auf eventuelle Kompetenzen oder Unzulänglichkeiten zu schließen. Und auch Competence und Maternal Bias könnten zu falschen Entscheidungen führen: Denn hier spielen klassische Rollenbilder, Stereotype und typische Mann-Frau-Vergleiche eine tragende Rolle. Und Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie unterbewusst jemanden als unsympathisch, wenig qualifiziert oder schlichtweg unpassend empfunden, ohne echte Gründe für diese Einschätzung vorbringen zu können?
Unbewusste Vorurteile können richtig ans Geld gehen
Chancengleichheit und Diversität sind heute in aller Munde - und werden dennoch oftmals als realitätsfern bezeichnet oder schlichtweg müde belächelt. Dabei könnte Ihr Unternehmen davon richtig profitieren! Denn es ist nicht nur so, dass qualifizierte Kräfte aufgrund der erwähnten unbewussten Vorurteile oftmals durch das engmaschige Raster der Personalabteilung fallen. Ein Team, das immer auf der gleichen Welle schwimmt und die Entscheidungen weniger schweigend abnickt, wird keine Innovationen zutage fördern. Stattdessen tragen diverse Lösungsansätze und ein gesunder Mix an kreativen Köpfen maßgeblich zum Unternehmenserfolg bei.
Und nicht nur das: Werden Andersdenkende im Unternehmen indirekt gegängelt, leiden Motivation und Produktivität, sodass auch Top-Mitarbeiter über kurz oder lang das Weite suchen.
So entziehen Sie sich den kognitiven Verzerrungen
- Halten Sie sich den Spiegel vor
Lernen Sie, zu erkennen, wann der Reflex die Kontrolle übernimmt. Reflektieren Sie genau, was eine Situation oder eine Begegnung in Ihnen auslöst. Notieren Sie doch einmal Ihren ersten Eindruck. Ist Ihnen die Person sympathisch, weil deren Werdegang dem Ihren ähnelt? Wie wäre Ihr Eindruck, wenn die Person ein anderes Geschlecht hätte oder wenn sie ein Hobby ausüben würde, für das Sie sich gar nicht begeistern können? - Überlisten Sie Ihren Reflex
Anonymisieren Sie das Bewerbungsverfahren, sodass Herkunft oder Geschlecht ausgeblendet werden und ausschließlich Qualifikation und Motivation im Vordergrund stehen. - Schaffen Sie Fakten
Bisweilen brauchen Sie objektive Standards bzw. einen Kriterienkatalog. Legen Sie fest, welche messbaren Faktoren allen am Prozess Beteiligten wichtig sind und achten Sie darauf, dass diese Kriterien nicht plötzlich im Entscheidungsprozess geändert werden, weil dadurch jemand bevorzugt werden könnte. Zu empfehlen ist außerdem ein Ratingsystem für bestimmte Skills - es gibt den Verantwortlichen mehr Kontrolle über ihre Entscheidungen. Hierzu gehört auch, sich zu fragen, welche Rolle die persönlichen Sympathien am Ende des Tages wirklich in der Einzelsituation spielen.
Fazit
Vorurteile verkleinern nicht nur den Talentpool eines Unternehmens - sie fördern vor allem den Tunnelblick. Sicherlich sind Stereotype und Vorurteile bisweilen auch nützlich - ansonsten würden wir die täglich auf uns einprasselnde Informationsflut kaum stemmen können. Um kognitive Ressourcen zu sparen, brauchen wir ein „automatisches Ordnungssystem“. Wichtig ist jedoch, die kognitiven Verzerrungen bewusster wahrzunehmen, um sich nicht von Vorurteilen täuschen und zu falschen Entscheidungen hinreißen zu lassen.
Wie Reputationsmanagement funktioniert, erfahren Sie in der nächsten Woche.
Ich würde Sie gern auch künftig auf dem Laufenden halten. Gerade in Bezug auf Sicherheit, Effektivität, können Sie eigentlich nie genug Informationen bekommen.
Meinungen über uns
"

"

"


Ja, ich möchte auch künftig informiert werden.
Copyright © 2025 by Hansjörg G. Henker
A-Z Consulting & Development